Ausgangslage

Das Erfordernis, im Strafvollzug die Freizeit der Gefangenen sinnvoll zu gestalten, ist bereits seit langem anerkannt und hat frühzeitig Berücksichtigung in den Vorschriften auch des Strafvollzugsgesetzes gefunden. Die §§ 2, 4 Abs.l. 6. 7, 17, 67 - 70 StVollzG sehen in der Gestaltung der Freizeit der Inhaftierten ein wichtiges Organisationsziel der Anstalten.

Der Vollzug ist gehalten, die organisatorischen Maßnahmen zu treffen, die den Gefangenen eine sinnvolle Freizeitgestaltung im Rahmen von Einzel- und Gruppenmaßnahmen ermöglichen. Ein angemessener Gebrauch und Einsatz der Medien, Rundfunk und Fernsehen, ist anzustreben.

Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft wie Dauerarbeitslosigkeit, geringfügige Beschäftigung usw., die nicht zuletzt auch gravierende Auswirkungen auf das Klientel des Strafvollzuges haben , müssen bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Vollzuges freizeitpädagogische Ansätze berücksichtigt werden. Die Ergebnisse der neueren kriminologischen und freizeitpädagogischen Forschung sehen Kriminalität in erster Linie als Freizeitproblem.

Strafbare Handlungen finden zumeist in der Freizeit statt und sind durch die Unfähigkeit, Freizeit aktiv und kreativ zu gestalten, in entscheidender Weise mit verursacht.

Eine Analyse von Gefangenenbiografien macht deutlich, dass Gefangene den Anforderungen des Arbeitslebens in vielen Fällen durchaus gewachsen sind . Hieraus die entsprechenden Folgerungen zu ziehen, darf nicht nur Inhalt kriminalpräventiver Überlegungen sein, sondern ist auch bei der Behandlung des bereits inhaftierten Straftäters von besonderer Bedeutung.

Strukturen der Freizeitarbeit

Sozialpädagogisch orientierte Freizeitarbeit bedarf förderlicher institutioneller Rahmenbedingungen, denn nur, wenn Freizeitgestaltung neben der Arbeit als wichtige Maßnahme zur Wiedereingliederung gesehen wird, kann das Vollzugsziel der Wiedereingliederung optimal erreicht werden.

Dazu ist ein geeigneter Kreis von Bediensteten erforderlich, der sich in diesem Bereich an der Entwicklung von Vorschlägen und Ideen und deren Realisierung beteiligt.

In diesen Überlegungen finden die Interessen der Gefangenen, die sie in einem direkten Gespräch oder über ihre Vertretung und ihrer Vertreter (GMV) äußern, Berücksichtigung.

Tätigkeiten des Freizeitkoordinators

  • Federführung in allen Angelegenheiten, die die Freizeit der Gefangenen betreffen

  • Ansprechpartner für alle Bediensteten in Sachen Freizeit der Gefangenen
  • Berichtswesen 
  • Betreuung außervollzuglicher Anbieter von Freizeitmaßnahmen
  • Mittelbewirtschaftung für den Freizeitbereich
  • Organisation von Veranstaltungen für Gefangene (Theateraufführungen, Konzerte)
  • Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern für die Freizeitgestaltung
  • Gewinnung von Bediensteten für den Freizeitbereich
  • Koordination aller Freizeitangebote
  • Beteiligung an der Zulassung Gefangener zu Freizeitangeboten
  • Statistik über Inanspruchnahme von Freizeitangeboten
  • Auswahl des anstaltsinternen Rundfunkprogramms
  • Erfahrungsaustausch mit den außervollzuglichen Kräften
  • Organisation und Betreuung der GMV
  • Betreuung der Redakteure der Gefangenenzeitung

Zusammenarbeit mit externen Kräften

Die Mitwirkung ehrenamtlicher Betreuer hat traditionell einen hohen Stellenwert für die Freizeitgestaltung und ist ein stabiles Bindeglied zwischen den gesellschaftlich ausgegrenzten und stigmatisierten Inhaftierten und der Welt außerhalb des Vollzuges. Zur Unterstützung der Zusammenarbeit mit den externen Kräften hat die Anstalt folgende Voraussetzungen geschaffen:

  • Geeignete Räumlichkeiten, in denen Angebote stattfinden können
  • Betreuung der ehrenamtlichen Mitarbeiter
  • Beschleunigter Einlass der ehrenamtlichen Mitarbeiter
  • Rasche Zuführung der Gefangenen